Cochamo - Ein Granitparadies im chilenischen Patagonien

Das Valle de Cochamó im Norden Patagoniens gilt nicht ohne Grund als das Yosemite Südamerikas. Mitten im dichten Regenwald ragen über 1.000 Meter hohe Granitwände in den Himmel und bieten fantastische Riss- und Plattenkletterei. Im Februar verbrachten Nico und ich 20 Tage in diesem abgelegenen Kletterparadies. Wir konnten einige teils auch sehr lange Klassiker wiederholen, unsere erste eigene, 400 Meter lange alpine Erstbegehung machen und haben eine super Zeit gehabt und viele tolle Leute kennengelernt.

Dass wir in dieser wilden Natur überhaupt noch so klettern können, ist der Initiative Conserva Pucheguín zu verdanken, die dieses Tal vor Kurzem nach einem historischen Kauf dauerhaft unter Schutz gestellt hat.

Logistik und Anreise

Da Nico bereits in Argentinien war trafen wir uns am Busbahnhof in Bariloche in Argentinien, um von dort gemeinsam mit dem Bus nach Puerto Montt zu fahren. Wir hatten abgemacht, dass ich, weil ich nachkomme, Equipment für das Erschließen von Routen mitnehme, aber nicht den Umfang diskutiert. Deswegen staunte er nicht schlecht über meine drei schweren Duffelbags mit über 300 Metern Statikseil, was wie sich später herausstellen sollte doch etwas überambitioniert war.

Als wir nach über 48 Stunden Reisezeit spätabends in Puerto Montt ankommen fallen wir erstmal todmüde in die Betten unseres schnuckligen pinken Airbnbs. Das Zimmer ist für die Menge an Equipment viel zu klein und mit den Einkäufen am nächsten Tag wirds dann nochmal enger. An einem Tag gilt es nun erstmal bei einem gemütlichen Frühstück Pläne zu schmieden, ausreichend Bargeld abzuheben, Essen für drei Wochen einzukaufen, einen Bus für den nächsten Morgen zu organisieren und schließlich alles Gepäck in genau 30 Kilo schwere Taschen für die Arrieros umpacken, damit wir möglichst bald nach Cochamo kommen, denn es deutet sich bereits ein sehr gutes Wetterfenster an. Es klappt alles wie am Schnürchen und so können wir den Abend noch gemütlich in der Cirrus Bar direkt gegenüber von unserem Airbnb ausklingen lassen.

Vielleicht haben wir es auch ein bisschen zu sehr ausklingen lassen, denn nachdem uns zwei Uberfahrer wegen der Menge an Gepäck einfach stehen lassen wäre es fast nochmal knapp geworden. Zum Glück erwischen wir gerade so noch den Bus, aber müssen die Fahrt ohne Empanadas verbringen, die wir eigentlich am Bahnhof kaufen wollten.

Am Trailhead übergeben wir dann das Gepäck an die Arrieros und nach einer kurzen Einweisung und Registrierung machen wir uns auf den Weg nach “La Junta”, der Campingplatz, der für die nächsten 20 Tage unser Zuhause sein wird.

Das erste Wetterfenster

Während es beim Anmarsch zum Camping noch leicht regnete kündigte sich bereits ab dem nächsten Tag ein längeres sehr gutes Wetterfenster an und so trödelten wir nicht lange rum und packten unsere Rucksäcke, um einige Tage im Trinidadtal zu verbringen und uns an die Kletterei zu gewöhnen. Wir wiederholten noch am Zustiegstag den “Gendarme” (120m, 5.11a) am Trinidad mit 5 abwechslungsreichen Seillängen. Am nächsten Tag stand “No Hay Hoyes” (200m, 5.11a) am Programm. Die Kletterei war wunderbar, aber die Risse teilweise noch etwas feucht und der Tag doch kälter als gedacht. Dafür schaute der nächste Tag bombastisch gut aus und so stiegen wir noch weiter auf bis zu einem Pass an welchem wir für die 1600 Meter lange “La Presencia de mi Padre” am El Monstruo biwakierten. Einen detaillierten Einblick in unsere ersten Routen im Tal und auch unserer Erstbegehung bekommt ihr am besten im Video:

“Filo Estatico” - unsere erste Erstbegehung

Bereits beim ersten Telefonat brachte Nico die Idee einer gemeinsamen Erstbegehung ins Spiel und ich war sofort dabei. Wir wussten zwar nicht was uns erwarten würde, aber hatten Glück, dass wir bereits im ersten Wetterfenster eine Linie entdeckten, die uns ins Auge stach und die wir dann auch als Projekt letztendlich verfolgten. Die “Filo Estatico” liegt am Cerro Ojo rechts der beliebten “Homo Santa”, der bisher einzigen Routen in der Wand. Mit nur 14 Bohrhaken konnten wir eine logische, anhaltende Linie entlang eines Pfeilers erschließen.

Der Name kommt von unserem Statikseil Dilemma. Insgesamt habe ich 340 Meter mit nach Chile genommen, 140 Meter bis nach “La Junta”, aber nur 80 Meter schafften es bis in die Wand, was sich für dieses Unterfangen als die perfekte Menge herausstellte.

Weitere Impressionen

Nach unserer erfolgreichen Erstbegehung kletterten wir noch drei Routen zusammen mit Till im Amfiteatro. Die “Al Centro y Adentro” ist die vermutlich schönste Tour im Granit, die ich je klettern durfte und ein besonderes Highlight gewesen. Auch die regnerischen Pausentage im Fogon lernten wir zu schätzen und wenn die Zeit oder das Wetter knapp war gab es gute Sportklettereien und sogar einen deep water solo Spot nahe des Camps

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